Feb 192013
 
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sauber formatiert

Für kurze bis mittlere Notizen sind die Formatierungsmöglichkeiten innerhalb von Evernote völlig ausreichend. Und komplizierte Layout-Dokumente gestaltet man ohnehin lieber in Word, InDesign oder Photoshop und hängt die Originaldatei einfach an eine Notiz – fertig. Die dritte Variante betrifft längeren Text, den man – möglichst ohne großen Aufwand – gut strukturiert in eine Notiz aufnehmen möchte. Das Zauberwort für ein solches Vorgehen heißt “Markdown”, klingt für Windows-User recht exotisch, Apple-Leute sind mit dem Prinzip meist vertraut, da es für Mac, iPhone und iPad zahlreiche Texteditoren gibt, die damit ausgestattet sind. Ich selbst bin ja eher in der Windows-Welt zu Hause und habe, als ich vor ein paar Jahren erstmals Markdown begegnet bin, die Sache zunächst für ziemlich “nerdy” gehalten. Durch mein iPad bin ich allerdings auf den Geschmack gekommen und setze diese “Auszeichnungssprache” inzwischen oft auch auf dem PC ein – und in Evernote!

1. Das Markdown-Prinzip

Man kann sich Markdown als ein kleines Set von Zeichen vorstellen – z. B. “#” oder “*” – das beim flüssigen Schreiben die “Formatierung” eines Textes übernimmt (IT-Leute mal weghören, technisch muss man das sicher anders beschreiben, daher hier der Verweis auf Wikipedia). Wenn ich z. B. “# Hörspiel” schreibe, so erhalte ich eine Hauptüberschrift, mit “## Hörspiel” eine Unterüberschrift, mit “*dringend*” wird das Wort kursiv geschrieben usw. Ist nicht schwer – nach 10 Minuten Beschäftigung (im Web gibt es unendlich viele Quellen dazu) sollte man die Sache beherrschen. Der große Vorteil für Vielschreiber: Man muss nicht ständig zur Maus greifen und wird nicht durch Klicki-Bunti-Layouts abgelenkt. Vielmehr bleibt man konzentriert beim “puren” Text, erhält aber zugleich Aufbau und Struktur, die den Inhalt übersichtlich gestalten. 2. Beispiel Writemonkey (Windows)

Wie gesagt, unter Windows sind Editoren, die mit Markdown etwas anfangen können, eher selten anzutreffen. Man kann sich allerdings mit zahlreichen Online-Diensten behelfen (z. B. Markable), die im Browser laufen. Oder man greift zu der sehr guten – und noch dazu kostenlosen – Software “Writemonkey”. Ist klein, läuft auch portable und ist mit deutschen Sprachdateien versehen. Das eigentliche Ziel von Writemonkey ist zwar das “ablenkungsfreie” Tippen (keine Buttons, keine Icon-Leisten usw.), aber die Software weist einige Besonderheiten auf, die für unseren Zweck besonders nützlich sind. Vor allem beherrscht sie das angesprochene Markdown-Verfahren, was dann ungefähr so aussieht:

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einfach tippen und exportieren

Was mir persönlich besonders gut an Writemonkey gefällt: Neben der einfachen Art, Kommentare in einen Text einzufügen (einfach zwei “/” an den Anfang der Zeile stellen, also “// da muss ich noch mal nachschlagen”) werden die Markdown-Befehle auch genutzt, um eine Gliederung einzublenden. Dieses sogenannte “Jump-Fenster” ist eine große Hilfe für längere Texte und bietet zahlreiche Filterfunktionen:

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Gliederungsansicht

 

3. Übergabe an Evernote

Praktisch alle Markdown-Editoren beherrschen die Konvertierung des so entstandenen Textes in ein einfaches Web-Format (HTML). Und genau an diesem Punkt wird es für Evernote interessant: Evernote “versteht” nämlich genau diesen Basis-Satz an HTML-Elementen, die bei der Konvertierung eingesetzt werden – große Überschriften bleiben also groß, eingerückte Gliederungen bleiben eingerückt – ja, durch Markdown kann man sogar Zitatauszeichnungen (breiter grauer Rand am eingerückten Absatz) bei freigegebenen Notizen erhalten, die innerhalb der Desktop-Anwendung sonst nicht herzustellen sind. Bei Writemonkey haben wir es besonders einfach, wir können uns sogar das Speichern ersparen. Einfach aus dem Menü wählen “Markdown in Standardbrowser anzeigen” und es erscheint der eben getippte Text im gewohnten Browser. Ob er darin “gut” oder “holprig” aussieht, muss gar nicht interessieren: Text im Browser markiern und in eine Evernote-Notiz einfügen – schon hat man einen klar strukturierten Text (alternativ könnte man auch in HTML speichern und diese Datei an Evernote senden – das erzeugt das gleiche Ergebnis). Gibt man die so entstandene Notiz im Web frei, erhält man dieses Bild:

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schön formatiert

Diese Art der Texterfassung steht bei mir oft am Anfang von neuen Projekten oder wenn ich die erste Fassung eines Aufsatzes schreibe. Ich generiere während des Tippens eine Gliederung, die ich in den nächsten Runden mit “Fleisch” fülle. Bei der Semesterplanung definiere ich so beispielsweise meine Lehrziele für verschiedene Abschnitte, anschließend die Feingliederung für die einzelnen Sitzungen und lege schließlich in Evernote all das Material an, das ich später verwenden möchte (PDF-Dokumente, Podcast-Ausschnitte, Powerpoint-Dateien usw.). Im Notizbuch der Semesterveranstaltung habe ich dann als ersten Überblick die so formatierte Notiz, das Material enthalten die anderen Notizblätter, deren Überschriften sich mit meiner Gliederung decken.

 

  8 Responses to “Evernote-Notizen mit Markdown strukturieren”

  1. Wäre schön, wenn Evernote markdown direkt bieten würde. ;)

    • Ja, der Vorschlag wurde auch schon gelegentlich im englischen Forum gemacht. Die Evernote-Entwickler machen in diesem Punkt allerdings den Eindruck, dass sie da nicht so schnell etwas verändern werden.

  2. Sehr schöne Erklärung, vielen Dank!

  3. Könntest Du nicht das Template hier zum Download zur Verfügung stellen? Das Layout gefällt mir nämlich sehr gut.

    Wär Klasse!

    Gruß,
    Axel

  4. Hallo Herbert!

    Super Artikel! Kannst Du einen Mac-Editor empfehlen, bei dem der Export/Copy nach Evernote funktioniert? Ich habe iA-Writer und Mou ausprobiert, jedoch wenn ich Copy oder Copy HTML anwende, dann wird nur der Code eingesetzt, Evernote setzt die Zeichen nicht um – ich hatte das so verstanden, dass ich in Evernote nichts mehr machen muss. Richtig?

    Danke!
    gooogix

    • … also bei den beiden genannten muss ich erst die Datei als HTML speichern, öffnen und dann kopieren – zuviele Schritte, um praktikabel zu Arbeiten.

    • Hallo!

      Also ich habe gerade Markdown Pro (Mac-Appstore) ausprobiert, und da funktionert copy + paste einwandfrei, ohne speichern.

      lg
      Norbert

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